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INFORMACJE O STRONIE

Das 19. und der Anfang des 20. Jh. prägten die Sadtgeschichte mit zahlreichen interessanten Architekturlösungen. Die damals entstandenen Gebäuden sind ein Beispiel für die Zusammenarbeit der Stadtämter mit den Einwohnern, die häufig die Rolle der Mezäne spielten. Unter vielen in der Stadt tätigen Architekten zeichneten sich zwei individuelle Persönlichkeiten aus: E. Gansel – der Schöpfer der Überführung und des Turmes der Marienkirche und Friedrich Schiller – der Autor des Komplexes der Nerven- und Geisteskrankenklinik. Eins der schönsten Beispiele für die nach dem englichen Muster geschaffenen Architektur ist die Bebauung in der Willowa-Strasse und in ihrer Umgebung, die unter dem Einfluss der größten architektonischen Authorität dieser Zeit – des Hermann Muthesius entstand.

Engelhardt Gansel /1806 - 1876/

Der junge Engelhardt lernte nach dem Abschluß der Buzlauer Schule beim hiesigen Architekten Leitner in den Jahren 1822-1824. Während seiner Reise durch Österreich, die Schweiz und Belgien vertiefte er seine Bauerfahrung. Er bildete sich auch in Hamburg und Berlin, und als einer der besten Studenten wurde er zum Studium nach England geschickt. 1830 fing Gansel seine bauliche Aktivität in Bunzlau an. Als Erstes kam der Erfolg im Wettbewerb für das Projekt des Turmes der ehemaligen evangelischen Kirche, heutige Marienkirche. Die andere sehr beträchtliche Aufgabe des E. Gansel war die Aufsicht beim Aufbau der Bunzlauer Überführung. Die Wohnhäuser seines Projektes befinden sich in der Komuny-Paryskiej-Straße und in der Zgorzelecka-Straße. Bis heute blieben das Arrestgebäude in Chopin-Straße und das große Wohnhaus nicht erhalten, das Haaseburg genannt wurde, weil es dem C. August Haase gehörte, und das 1846 in der Sierpnia-80-Straße errichtet wurde. Sein Werk umfaßt innsgesamt 11 Kirchen, 10 Schlösser, und die gesamte Anzahl seiner Realisationen übersteigt 400. Gansel gehörte zu den reichesten Bunzlauer Bürger und speilte eine beträchtliche Rolle im Politischen Leben der Stadt – er war Rat, Abgeordneter zum Provinziallandtag Bunzlaus und Sagans, Vorsitzender des Stadtrates, um nur seine wichtigeren Fiunktionen zu nennen. Er befaßte sich auch mit Alchemie und war Mitgründer der Bunzlauer Freimaurerloge „Zur Goldenen Kette”.

Die Überführung (18)

Die über dem Flußtal aufgespannte Eisenbahn-Überführung war von ihrer Entstehung an eine der größten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Arbeiten unter der Leitung von E. Gansel führte man 1844-46 durch. Die Überführung gehört zu den Riesenbauten: Höhe - 26 Meter, Länge 490 Meter, Breite 8 Meter. Von 35 Strebebogen breiten sich 7 breiteste über dem Fluß aus – jeder von ihnen zählt 15 Meter, 20 mittlere Bogen haben die Breite von je 11,3 Metern, und 8 Randbogen je 5,65 Meter. Die Pfeiler sind auch imposant – acht Hauptpfeiler, Türme genannt, sind 3,75 Meter Stark, die kleineren haben Stärken von 3,15 bis 2,5 Metern. Für ihren Aufbau waren 33 400 Kubikmeter Steinmaterial erforderlich. Beim Aufbau der Überführung waren 600 Mitarbeiter beschäftigt, die eine gewisse Zeit auch in der Nacht arbeiteten. Man brauchte 14 500 Tonnen Kalk, 400 Tonent Zement. Selbst der Aufbau des Baugerüstes, an dem 100 Leute arbeiteten und für das 12 Tausend Baustämme von 15-25 Metern eingesetzt wurden, kostete 60 Tausend Talar. Die Gesamtkosten erreichten eine erregende Höhe von 400 Tausend Talar. Der Bau wurde hoch bewertet und die preußische Regierung zeichnete 1847 den Architekten mit dem Orden des Roten Adlers aus. Heuzutage wird die Überführung nicht nur als ein hochklassiges technisches Baudenkmal, sondern auch als ein wertvolles Kunstobjekt angesehen. In der Ganze ist hier die Anregung von römischen Aquädukten ersichtlich, die Auswahl der Zierform greift aber in die vom Gansel beliebte Gotik hinein.

Das Haus in der Zgorzelecka-Straße 19 (19)

In den 30er oder 40er Jahren des 19. Jhs. errichtete Engelhardt Gansel ein Haus für sich selbst. Es wurde in der Zgorzelecka-Straße 19 im so genannten italienischen Villenstil, der für die Berliner Bebauung so charakteristisch ist, aufgebaut. Bis zum 2. Weltkrieg war es der Sitz der folgenden Baumeister und Architekten aus der Familie Gansel. Im Hauskeller wurde das alchemische Labor eingerichtet, denn Gansel war Mitglied der Bunzlauer Freimaurerloge „Zur Goldenen Kette“, die er mitgründete /1849 r./. Eine gewisse Zeit später in dem gleichen Raum richteten Söhne von Gansel einen „Museumsaal in Miniatur” und ein kleines Cafe ein. In der Sammlung von Gansel befanden sich u.a. zwei wertvolle Statuen von Weber, interessante Architekturdetaills, Flachreliefe, Münzenkollektion / die Münzensammlung wurde während des 2. Weltkrieges versteckt und zufällig bei der Renovierung 1987 aufgefunden/.

Die Marienkirche (20)

Die Kirche, die bis zum letzten Kriege evangelisch war, wurde an der Stelle errichtet, wo sich früher das Schoß befunden hatte – der Sitz des Statthalters des regierenden Herrschers. Am Anfang des 17. Jhs. wurde das Schloß durch die Stadt aufgekauft und eine gewisse Zeit lang diente es als protestantisches Gebethaus. Nach dem großen Brand und Zerstörung durch die schwedischen Scharen 1642 verfiel es. Nach Übergabe der ehemaligen Schloßgebiete an die protestantische Gemeinde, wurde hier 1752-56 ein Tempel auf dem Plan eines Vierecks, mit einheitlichem Raum mit Emporen und sehr bescheidenen Ausschmückung aufgebaut. Anfang der 30er Jahre des 19. Jhs. wurde der Anbau eines Turmes beschlossen. Im Laufe von zwei Jahren /1834-35/ erhielt die Kirche einen neugotischen Turm nach dem Projekt von E. Gansel. Es war das erste Unternehmen des jungen Bunzlauer Architekten, das ihm den Ruhm und die Anerkennung brachte. Der Turm gefiel nicht nur der Stadtbürgern, sondern auch der prueußischen Verwaltung, die ihn in die Liste der besten Bauten im Land aufnahmen.



Das Haus in der Komuny-Paryskiej-Str. 6 – die heutige Allgemeinbildende und Berufsoberschule (21)

Die zwei durch E. Gansel 1844 im neugotischen Stil errichteten Gebäuden wurden fünf Jahre später von der Stadt aufgekauft und für den Sitz des Landgerichts bestimmt. 1931 nach der Übernahme des Gebäudes in der S¹dowa-Starße durch das Gericht, begannen die zweijährigen Bauarbeiten, die das Objekt an die Bedürfnisse einer Berufsschule, die hierher aus einem alter Klostergebäude der Dominikaner umzog, anpassen sollten.

Das Haus in der Komuny-Paryskiej-Str. 14 (22)

An einem neugotischen Haus, das sich in der ungeänderten Form erhielt, ist heut eine leserliche Inschrift zu sehen: „ 1849, Erbaut von Mauermeister E. Gansel”.

Hermann Muthesius /1861-1927/

Ein bekannter Architekt, einer der ersten Vertreter des Modernismus, gehörte seinerzeit zu den bedeutendsten Authortäten der Architektur. Nach seiner Rückkehr aus England veröffentlichte er 1904 ein englischsprachiges Werk in drei Bänden. Das Buch war eine echte Umwälzung in der deutschen Architektur: es hatte die historische Tradition aufgegeben und die Grundsätze der modernen Bewegung definiert. Das Buch empfiel dem Architekten, auf die historische Formauswahl zu verzichten, bevorzugte einen losen Plan nach dem englichen Vorbild, das Streben nach einer maximalen Nutzbarkeit bei der Innenausplanung und die Verbesserung des Komforts und der Bequemlichkeit. Ein wichtiger Faktor war die Verbindung des Hausinneren mit dem umgebenden Garten, die sich verpflechten sollten. Das Haus sollte vor allem eine gemütliche und sichere Zuflucht sein, die repräsentative Funktion sollte zweiten Rang haben.

Die Straßen Willowa, Leœna, Obroñców-Westerplatte – die Verwirklichung der Ideen des H. Muthesius (23)

Die Bebauung der Straßen Willowa, Leœna und Obroñców-Westerplatte war die erste Etappe des 1910 im großen Maßstabe realisierten Wettbewerbes für den Stadtbau im ihrem südlichen Teil. Die hier erbauten malerischen und komfortablen Villen nahmen auf die englischen Lösungen Bezug, die ein der Bunzlauer Jury-Mitglieder Muthesius verbreitete. Die Bunzlauer Villen spiegelten die von ihm bevorzugten Ideen wieder. Überweiegend waren es malerische Häuser von einer differenzierten Architektur, die durch zahlreiche Erker, Dachfenster, Loggien, Gallerien und Balkons abgewechselt waren. Die Dächer waren meistens vielseitig oder stirnseitig gestaltet, großflächig, oft durchbrochen. Die Giebel wurden als Fachwerk ausgeführt, manchmal war es eine mit Holzbrett bedeckte Mauerwand. Die Fassaden waren grundsätzlich mit keinem historischen Zier versehen, sie besaßen aber viele Sprossfenster und verschiedenartige Festerläden.

Die ehemalige Freimaurerloge – heute der Kindergarten Nr. 2 in der M.-Broda-Straße 17 (24) (24)

Eine der beträchtlichsten in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. errichteten Sehenswürdigkeiten im Südlichen Stadtteil war das Gebäude der Freimaurerloge. Die Buzlauer Freimaurerloge "Zur Goldenen Kette" wurde 1849 durch 15 Mitglieder gegründet, die aus der wirtschaftlichen und kulturellen Elite der Stadt stammten. In den drauffolgenden Jahren wurde die Freimaureranzahl immer größer, so dass sich die Notwendigkeit stellte, einen neuen repräsentativen Sitz aufzubauen. Bas imposante Gebäude in der Broda-Straße, das durch E. Hotop entworfen wurde, errichtete C. Till im Jahr 1885. Die Loge ist ein prächtiges Beispiel für eine späte Renaissance-Lösung mit kontrastiv zusammengestellten Fassadeflächen aus Rotziegeln und mit reichen Schmuckdetaills aus hellem Stein. Urspünglich war das Logegebäude mit einer Balustrade und mit einem Flachdach bekrönt. Das jetzige steile Dach ist ein Ergebnis des Umbaus, der wahrscheinlich in den 30er Jahren des 20. Jh. erfolgte. Im März 1933 wurde die Tätigkeit der Freimaurerlogen in Deutschland illegal. Nach der Auflösung der Bunzlauer Loge zog in das Gebäude eine nationalsozialistische Jugendorganisation ein.

Die Villa in der Grunwaldzka-Straße Nr. 5 – das jetzige Gebäude des Jugend-Kulturhauses (25)

Die Villa wurde für den Chefredakteur Müller, den Gründer einer hochgeschätzten Fachzeitschrift „Pharmazeutische Zeitung”, die seit 1854 erschien, aufgebaut. Die Villa erhielt eine reiche Stilistik der Renaissance-Klassizistik-Form, und der im umgebenen Garten erhaltene Holzbestand gehört zu den interessanten im ganz Bunzlau.




Das ehemalige Gymnasium – heute das Kreisgericht in der S¹dowa-Straße (26)

Eins der interessantesten neugotischen Gebäuden Bunzlaus wurde nach dem Projekt des Görlitzer Architekten Oppermann in den Jahren 1861-64. Das Gebäude verfügt über den viertgrößten Turm in der Stadt und ist ein Vorherscher des Stadtbildes. Das dreistöckige, 11-achsiale Gebäude liegt auf dem Plan eines quasi Viereckes, es bereichern es zwei seitliche bekrönten Risaliten und der in der Simetrieachse liegende bekrönte Turm mit Galerien und einer Uhr. Man sorgte dafür, dass alle Klassenzimmer geräumig, hell und entsprechend ausgestatten sind. Es wurden Räume für physikalisches Labor, Bibliotheksammlung, geschichtlich-natürliche Ausstellungsstücke und Sternwarte vorgesehen. Der Hauptschmuck und zugeich die Attraktion für die ganze Stadt war und ist auch bis heute die schöne Aula. Sie ist zwei Stöcke hoch und liegt im Westflügel. Der Innenraum war reichlich mit Brustbildern von hervorragneden Personen der antiken und deutschen Kultur und Wissenschaft. In dem eigenartigen Pantheon fanden folgende Personen Platz: Auf der westlichen Seite auf der östlichen Seite Ptolemeus - Kopernicus Sokrates - Schiller Sofokles - Kant Homer - Goethe Witruwius - Winckelmann /das Brustbildt ist nicht erhalten/

Das Theater in der Teatralna-Strße (27)

Das Gebäude wurde 1822-23 mit Bestimmung als stadtliches Zeughaus errichtet. Den Umbau zum Theatersitz wurde 1857 vom R. Schiller vorgenommen. Die Buzlauer beklagten sich aber über die herrschenden Bedingungen, vor allem über die Kälte. In der Wintersaison mußen die Zuschauer zur Vorführung einen Thermophor mitbringen. Nach einem weiteren Umbau (1885-86) unter Leitung W. Dörich und Ausicht R. Schiller nahm das Gebäude die Neurenaissance Form mit wiederholenden halbrunden Fensterbogen und Pilaster sowie mit einem Frontgang mit Akroterionen an, die die Fassade bekronten. 1913 wurde der Bühnenraum mit dem Platz fürs Orchester nach dem Projekt von Ernst Balzer verbreitet. Bis zum letzten Krieg war das Gebäude der Sitz einer Theatertruppe.

Das ehemalige Haus Fernbachs in der Mickiewicz-Str. 6a (28)

Das Haus gehörte Familie Fernbachs, eines alten Drucker- und Verlegergeschlechts. Die Tätigkeit wurde vom Haussenior Louis Fernbach 1864 unternommen. Die von ihm herausgegebene „Bunzlauer Tageszeitung” machte wegen ihrer graphischen Gestaltung und politische Objektivität eine erfolgreiche Konkurrenz jeder wichtigeren lokalen Tageszeitung. Der Familien- und Firmensitz befand sich im Haus in der Mickiewicz-Straße, das 1883 aufgebaut wurde. Die zweistöckige Hausgestaltung mit abgewogener und harmonischer Komposition, war dank ihrer Renaissance-Neuklassizistik-Dekoration und vor allem dank ihrer herrlicher Säulenhalle eine Anziehungskraft für die Zeitgenossen.

Richard Gustav Schiller /1823- 1903/

Einer der Schüller des großen Architekten Karl Friedrich Schinkel, bildete sich in der berühmten Berliner Bauakademie. 1857 kam er nach Bunzlau, wo er die Aufsicht über zahlreiche Bauunternehmen ausübte. Nach seinem Entwurf wurde der Komplex der Nerven-und Geisteskrankenklinik auf- und das Gebäude des Stadttheaters umgebaut. Seit 1870 hatte er die Funktion des Kreisarchitekten und seit 1880 des königlichen Landkreisbauinspektors. Ein Jahr später erhielt Schiller den Titel des Königlichen Baurates. 1870 fürte er für den Landbesitzer E. Krischke das Projekt der Villa in der Komuny-Paryskiej-Straße Nr. 37 aus. Das Haus war eine Anregung für den Villenausbau im südlichen Stadtteil, West-End genannt, der die Straßen: Komuny-Paryskiej, Wybicki-, Miarka-, Broda-, Opitz-, Drzymala umfaßte. In den drauffolgenden Jahren nahm Schiller weitere Bauprojekte in diesem Stadtviertel vor (u.a. das Objekt in der Komuny-Paryskiej-Straße 36). Er führte auch die Arbeiten in Goldberg und Naumburg durch.

Das Irrenhaus der Schlesischen Provinz /heute die Woiwodschafts-Nerven- und Geisteskrankenklinik/ (29)

Es wurde 1857-63 im neugotischen Stil nach dem Projekt R. Schillers aufgebaut. Die Größe des Komplex, die modernen technischen Lösungen, die weite Park-Gartenanlage ließen das Bunzlauer Krankenhaus zu den Errungenschaften europäischen Ranges zählen. Nach der Modernisierung 1909-13 verdreifachte sich die Patientenmenge /zu 1150 Personen/, und neben den bisherigen Klinikgebäuden errichtete man eine Kirche, zwei Gewechshäuser, ein Beinhaus, einen Seziersaal und viele Wirtschaftsgebäuden. Dem Komplex gehörte neben Park und Garten auch der nah liegende Wald an, wo sich ein kleiner Klinikfriedhof befand.


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