|
|
Die napoleonische Zeit prägte sehr stark die Geschichte Bunzlaus. Der Keiser der Franzosen Napoleon verweilte fünf Mal in der Stadt. Es haben hier auch wichtigste Personen, die den Einfluss auf den Kriegsverlauf hatten, aufgehalten: der Oberbefehlshaber der russischen Armee Feldmarschall Kutusow, der Befehlshaber der preußischen Schlesienaree General Blücher, der russische Zar Alexander I., der preußische König Fridrich Wilhelm III. Hier spielte sich die berühmte Geschichte mit Rosalie von Bonin ab, die einen französischen General gefangen nahm. Die Stadt war Teilnehmer der geführten Kriegsaktivitäten, die ihre spätere Gestalt beträchtlich prägten.
Napoleon in Bunzlau
Napoleon Bonaparte kam zum ersten Mal nach Bunzlau am 16. Juli 1807 auf der Heimkehr nach Abschluss des Friedens in Tyl¿a. Zwischen 22.00 und 23.00 Uhr traf er in Bunzlau in Begleitung des Herzogs von Berg und mit 13 Kutschen und 200 französischen Soldaten ein. Nach Austausch der Pferde begab er sich nach Dresden und sein Gefolge blieb für die Nacht in der Stadt. Zum zweiten Mal erschien der Kaiser mit seinem Gefolge am 29. Mai 1812 um 17.00 Uhr in der Stadt. Es wurde für ihn eine feierliche Begrüßung vorbereitet, an der Präsident des Leignitzer Regierungsbezirkes von Erdmannsdorf, der Landrat des Landkreises Bunzlau-Löwenberg von Tempsky und Abgeordnete des Bezirks- und Stadtmagisterrates teilnahmen. Nach einer kurzen Rast reiste der Kaiser beim Läuten aller Glocken nach Haynau weiter. Ein weiteres Mal verweilte der französische Anführer in der Stadt am 13. Dezember 1812 auf dem Rückzug der französischen Armeen nach der Niederlage bei Moskau. Der Kaiser reiste incognito als Herzog von Vicenza, unter dem Decknamen Caulaincourt, hielt zu einer Mahl im Hotel "Zum Schwarzen Adler” auf. Die vierte Aufenthalt des Napoleon in der Stadt dauerte einige Tage. Der Blücher Armee auf der Spur kam er während des sächsisch-schlesischen Feldzuges 1813 am 25. Mai um 16.00 Uhr nach Buzlau. Wegen der Flucht des Bürgermeisters und einiger Magisterräte sowie vieler Einwohner befahl er in seiner Unzufriedenheit, das Haus des Bürgermeisters zu zertrümmern, den er erst nach inständigen Ersuchen aufhob. Die Stadt wurde zur Hauptquartier französischer Soldaten und Napoleon übernachtete im Haus am Markt Nr. 28 /heute Buchhandlung „Agora”/. Das Verhalten der Einwohner beeinflusste die Handlungen der Soldaten: die ganze Stadt unterlag der Requisition, vor allem betraf es die Vorstadt und das Königliche Waisenhaus. Der Direktor des Waisenhauses und der Priester der evangelischen Pfarre begaben sich zum Kaiser mit der Bitte, das Plündern beenden zu lassen. Die Armeen verließen Bunzlau am Morgen 27. Mai. Zum letzten Mal durchstreifte Napoleon die Stadt am 7. Juni 1813 bei seiner Rückkehr nach Görlitz. Er hielt hier für die Nacht auf, verschickte einige Briefe, u.a. an Maret, den Herzog von Bassano und an den Marschall Davout.
Das Haus in der Prus-Straße 2 – das ehemalige Hotel „Zum Schwarzen Adler” (12)
Der Aufenthalt des Kaisers in Bunzlau am 13.12.1812 war am häufigsten und breitesten beschrieben. Während seiner Flucht nach der Niederlage bei Moskau war Napoleon gezwungen, im harten Winter mit dem Schlitten zu reisen. Obwohl halberfroren, verlor er seine gute Laune nicht, obwohl die Gefahr der Festnahme durch die Preußen bestand. Vor Ankunft in Bunzlau zerbrach der Schlitten. Gegen 7.00 morgens und bei der Temperatur von -22,5°C traf der Kaiser in der Stadt ein und hielt im Wirthaus „Zum Schwarzen Adler“, im Zimmer auf der ersten Etage auf. Man bewirtete ihn mit dem Frühstück und Kaffee, den er aus einer blauen Tasse kostete, die anschließend die Sammlung des Bunzlauer Museums bereicherte. Bei der Rast diskutierte der Kaiser mit dem Wirt Zoller, der die Fragen nach der Situation im Land, den Steuern, der Verwaltung und dem Krieg offen beantwortete, weil er nicht wusste, wen er spricht. Je unangenehmer waren die Antworten des Gastgebers, desto mehr Fragen stellte der Kaiser, der es letztendlich mit Lächeln zusammenfasste: „Der hat Recht, er versteht mehr als viele wichtige Leute. Er ist keine Hofschranze”. Nach kurzem Schlummer reiste Napoleon gegen 20.00 Uhr weiter. Das heutige Haus in der Prus-Straße 2 ist eine aus der Nachkriegszeit stammende Rekonstruktion eines barocken Hauses, das im letzten Krieg zertrümmert wurde. Das 1714 errichtete Gebäude besaß eine bescheidene Innenarchitektur. 1809 wurde es vom Schlossermeister aufgekauft, der hier ein ellegantes Hotel „Zum Schwarzen Adler” einrichtete.
Am Markt Nr. 28 – die heutige Buchhandlung „Agora” (13)
Im Haus des Kaufmanns Ernst Jenke hielten die hervorragendsten Persönlichkeiten der napoleonischen Epoche auf: General Blücher /22.03.1813/, Zar Alexander I /18.04.1813/ und Napoleon selbst /25-26.05.1813/
Rosalie von Bonin /1781-?/
Nach einer Legende vollbrachte die tapfere Bunzlauerin während der napoleonischen Kriege eine Heldentat. Sie war erst 26, als sie zur Gefangennahme des französischen Generals le Brun beitrug. Im Winter 1807 brach Rosalie von Bonin zum Herzog von Pszczyna auf, um ihn über die Möglichkeit der Eroberung einer französischen Militärkasse zu informieren. Der Herzog teilte ihr 70 Reiter unter Kommando der Oberleutnanten Schrader und Fischer zu. Am 10. Februar 1807 noch vor dem Eintreffen der französischen Truppen kehrte die Bunzlauerin nach Bunzlau zurück und nahm zusammen mit einigen Reitern den in der Stadt verweilenden General le Brun bei der gleichzeitigen Beschlagnahme einer sich bei ihm befindlichen Militärkasse mit 70 Tausend Talar gefangen.
Das Rathaus, die Ostfassade – das Flachrelief mit Darstellung der Gefangennahme des Generals le Brun durch Rosalie von Bonin (2)
Das Flachrelief einer bekannten Bildhauerin Jenny von Bary-Doussin stellt die Ergabe des Generals und die Abgabe des Säbels an die mutige Frau dar. Die Tafel wurde am 16. Juni 1913 enthüllt. Darunter befindet sich ein Brunnen, Frau-Bonin-Brunnen genannt, die zum Stadtwassernetz gehört.
Michail I. Golenischtschew – Kutusow /1745 – 1813/
Russischer General, dann Feldmarschall, Herzog von Smolensk, der berühmteste russische Befehlshaber der napoleonischen Zeit. Die startegische Kunst und Führung lernte er vom General Suworow. Den Ruhm gewann er nach Eroberung der türkischen Festung Ismail (1790). 1805 befehligte er die 1. russische Armee, die nach Bayern als Hilfe für die Österreicher im Kampf gegen Napoleon geschickt wurde, er war Oberbefehlshaber der russisch-preußisch-österreicherischen Koalitionskräfte bei Austerlitz (1805), nach der Niederlage wurde im das Kommando entzogen. Während des Moskauer Zuges des Napoleon 1812 wurde er unter dem Druck der öffentlichen Meinung zum Oberbefehlshaber ernannt und er ließ die russische Armee durch die französische nicht zerschmettern, indem er die „Rückzugtaktik“ anwandte. Er schlug die blutige Schlacht bei Borodino, und beim Rückzug der großen Armee brachte ihr eine Niederlage bei Malojaroslawiec und am Berezyna bei (dafür erhielt er den Feldmarschallgrad und wurde als Herzog von Smolensk geadelt). Er war ein Feind des polnischen Staatswesens – war Teilnehmer am Ersticken der Bar-Konföderation, sowie am Krieg 1792 und an der Unterdrückung des Kosciuszko-Aufstandes.
Das Keramik-Museum, die Abteilung der Stadtgeschichte, Kutusow-Straße 14 (14)
Im heutigen klassizistischen Museumgebäude verweilte 1813, als das Haus noch dem Salzhändler Major Friedrich von Mark gehörte, der Feldmarschall Kutusow. Der Herzon von Smolensk kam nach Bunzlau zu Pferde am 18.04.1813 um 16.30 Uhr in Begleitung vom Zaren Alexander I. und des ganzen Stabes. Am drauffolgenden Tag nahmen alle an einem orthodoxen Gottesdienst teil der in der evangelischen Schule gelesen wurde, und am Nachmittag rieten sie weiter Richtung Lauban. Nach einigen Kilometern musste Kutusow wegen hohen Fiebers zurück reiten. Am 20.04.1813 war der 72-järige Kutusow durch Typhus ans Bett gefesselt, am 22.04. schrieb er an der Zaren: „von Tag zu Tag bin ich schwächer. Keineswegs kann ich weiterfahren, nicht einmal in einer Kutsche.”
Am gleichen Tag war bei ihm der preußische König Friedrich Wilhelm III. zu Besuch. Die Stadteinwohner haben die Straße am Haus von Mark mit Stroh bedeckt, um den Lärm der vorbeilaufenden Kutschen und Pferde zu dämpfen. Sie stifteten auch einen Preis in Höhe von 1 000 Talar für die Ausheilung des Marschalls. Trotz einer außergewöhnlichen ärztlichen Behandlung wurde der Gesundheitszustand des Kranken immer schlechter - am 28.04. um 21.35 Uhr abends starb Kutusow in dem Raum im ersten Stock des Hauses. Seine balsamierte Leiche wurde zur Schau gestellt und am 9. Mai wurde sie feierlich nach Petersburg in einem Zinnsarge transportiert. Sein Herz wurde in einer silbernen Kapsel unterbracht. Eine Gedenktafel wurde 1922 eingemauert, und nach dem zweiten Weltkrieg wurde hier das Kutusow-Museum veranstaltet, das durch die Russen verwaltet war. Nachdem die Russen das Haus verlassen hatten und nach einer Renovierung 1995, wurde hier die Abteilung der Stadtgeschichte des Keramik-Museums veranstaltet. Im Museum werden neben der Holstein-Chronik viele andere Materialien aus der Stadtgeschichte gesammelt – ikonografische und kartografische Exponate, Zinn- und Glasgefäße, Münzen, Gegenstände täglichen Bedarfs, die mit der Stadt verbunden sind, Bunzlauer Zeitschriften und Veröffentlichungen. Es wird eben die Skulptur gesammelt.
Kutusow-Denkmal in der Kubik-Straße (15)
Ein Werk der hervorragenden Künstler aus der klassizistischen Epoche K. F. Schinkel und G. Schadow. Es wurde 1819 nach Anweisung des Königs Friedrich Wilhelm III. aufgebaut. Ursprünglicher Standort befand sich auf dem Marktplatz, 1893 wurde das Denkmal auf die Promenade in der Kubik-Straße verlegt. Es wurde aus Gußeisen hergestellt und hat imposante Größe: 12,24 Meter und Gewicht von 30 Tonnen. Interessant ist auch die Form des Monumentes – ein Obelisk, an dessen Füßen zwei Löwenpaare angebracht wurden, die ursprünglich in die östliche und westliche Richtung schauten. An der Seite des Obelisken wurden die russchischen und deutschen Inschriften angebracht „Ihm wird das einfache Denkmal gewidmet. Friedrich Wilhelm III. Bis dahin führte der Herzog Kutusow von Smolensk seine russischen Truppen, die Siege davontrugen, bis der Tod sein berühmtes Leben unterbrach. Er war Befreier seines Vaterlandes. Er war derjenige, dessen Weg zur Befreiung der Menschen führte. Es sei die heilige Erinnerung des Helden gesegnet”. Angebracht hat man auch die Liste seiner Medaillen und Orden. Die einfache Form, die auf die ägiptische Kunst zurückzuführen ist und die Auswahl der allgemein verständlichen allegorischen Figuren erleichtert den symbolischen Empfang der Denkmalbedeutung, die eine Überzeitlichkeit und Unvergänglichkeit der Erinnerung an den Mut von Kutusow betont.
Ehemaliges Königliches Waisenhaus – der Gebäudekomplex in der Bankowa-Straße (16)
Das durch Gottfried Zahn 1754 gegründete Königliche Waisenhaus war ein in ganz Schlesien bekanntes und hochgeschätztes Ausbildungs- und Erziehungszentrum. Seit 1767 besaß es auch eigene Druckerei, in der seit 1774 die erste Bunzlauer Zeitschrift „Miesiêcznik Boles³awiecki dla Po¿ytku i Przyjemnoœci” („Bunzlauer Monatsschrift zum Nutzen und Vergnügen“) gedruckt wurde. Der heutige Komplex besteht aus Gebäuden, die in der zweiten Hälfte des 18. Jh. Und am Anfang des 19. Jh. Errichtet wurden. Zum Komplex gehörte auch das heutige Gebäude der Allgemeinbildenden Oberschule und der Medizinischen Oberschule (aufgebaut in den Jahren 1914 – 1917 nach dem Projekt von Clingestein).
Kutusow-Denkmal und Soldatenfriedhof in der Zgorzelecka-Straße (17)
Das Kutusow-Denkmal wurde an der Stelle aufgebaut, bis zu der Kutusow Napoleon nachjagte, und wo er wegen der Krankheit wenden mußte. Das Monument wurde durch den Steinmetzer J. M. Böhm den Jüngeren ausgeführt und durch die Tochter von Kutusow und durch Grafen von Sacken finanziert und die feierliche Einweihung fand am 27.08.1814 statt. Das Denkmal – in Form einer gebrochenen Säule, die das plötzlich abgebroche Leben symbolisiert, und die mit einem Eichenkranz – Symbol des Heldenmutes – gekrönt ist, beinhaltete in einer Zinnschüssel die Eingeweide des Marschalls. Am Sockel befindet sich eine Inschrift:: „Herzog Kutusow von Smolensk ging in die Ewigkeit am 28.04.1813 ein.” Nach dem 2. Weltkrieg wurde um das Denkmal herum ein Friedhof für die gefallenen Soldaten des 7. Panzerkorps der Garde und der 31. Infanteriedivision der 1. Ukrainischen Front ausgebaut.
|
|