In der zweiten Hälfte des 16. Jhs. und in der ersten Hälfte des 17. Jhs. hatte die Gruppe der hervorragenden Bunzlauer eine intellektuelle Elite gebildet, die zu den Errungenschaften europäischer Kultur beigetragen hatte. Den ersten Unterricht erhielten in Bunzlauer Schule einige berühmte Schriftsteller, die eine so genannte erste schlesische Dichterschule bildeten – Martin Opitz, Andreas Tscherning, Christoph Colerus, Andreas Scultetus, Kaspar Kirchner sowie bekannter Breslauer Bischof Martin Gerstmann, Astrophysiker Christoph Neubarth und Kaspar Knoll, europaweit bekannter Grafiker David Tscherning und schließlich auch Ephraim Ignaz Naso von Löwenfels. Das ungewöhnliche Phänomen des neuzeitlichen Bunzlaus verursachte, dass die Stadt den Namen „Wiege und Paradiesgarten der schlesischer neuzeitlicher Dichtung“, sowie der Wissenschaft und Kunst erhalten hatte.
Martin Opitz /1597- 1639/
Ein berühmter Dichter und Diplomat war der meist hervorragende Vertreter der ersten schlesischen Dichterschule. Den ersten Unterricht erhielt er vom Christoph Opitz, dem Rektor des Bunzlauer Gymnasiums. Er setzte seinen Lehrgang in Breslau und in Beuthen an der Oder fort. 1617 veröffentlichte er seine erste Rede „Arystarch oder Wiederspruch gegen Verachtung der deutschen Sprache”. In demselben Jahr nahm er das Studium im Frankfurt an der Oder auf, und eine gewisse Zeit später in Heidelberg. Er reiste nach Jütland, Holland, kurz verweilte er auch in Siebenburgen. Zu seiner Studien- und Reisezeit traf er hervorragende europäische Humanisten vor, u. a.: H. Grottius und D. Heinsius. 1624 publizierte er das bis heute berühmte „Buch über die deutsche Dichtung”. In Anerkennung seines Werkes wurde Opitz durch den Kaiser Ferdinand II. mit enem Dichter-Lorbeerkranz geehrt und als von Boberfeld geadelt. Der bereits bekannt gewordene Dichter wurde Sekretär des Breslauer Burggrafen Hannibal von Dohna, und nach dessen Tode blieb er im Dienste schlesischer Herzöge: Reichenbacher Herzogs Jan Christian und Leignitzer Herzog Jerzy Rudolf. Nach Besatzung Schlesiens durch die kaiserlichen Truppen floh er in das Gebiet Republik Polens. Sein erster polnischer Mäzen war der Landrat von Koœcierzyna, der spätere Danziger Burgherr und Woiwode von Pommern Gerard Denhoff. Er förderte den berühmten Dichter und Diplomaten beim König W³adys³aw IV. Auf dem Hof des polnischen Herrschers nahm Opitz die Stelle eines Geschichtsschreibers und ein wenig später eines königlichen Sekretärs. Während seines Aufenthaltes in Danzig veröffentlichte der Schriftsteller zahlreiche Gedichte und Lobreden, die Übersetzungen von „Antygona” und „Psalmen des Dawid”, die Abhandlung über Sarmatismus und Sarmaten, die er dem Großen Kronenkanzler Tomasz Zamoyski widmete. Die Bedeutung der Errungenschaften von Martin Opitz auf dem Gebiet der deutschen Literatur kann man mit derjenigen vergleichen, die das Werk von Petrarca in Italien, Ronsard in Frankreich und Kochanowski in Polen auszeichnen. Der Bunzlauer Dichter formulierte die Grundsätze der deutschen Dichtung in Anlehnung an die antike Rhetorik und Dichtung. Er bewies, dass die in der Nationalsprache verfasste Dichtung mit ihrer künstlerischen, ausgesuchten Form den Leser begeistern und die Ideale des Humanismus verbreitern kann.
Das Haus in der Karpecka-Straße 1/2 – das Geburtshaus vom Dichter Martin Opitz (7)
 Opitz wurde am 23.12.1597 in einem Haus in der ehemaligen Schlosstrasse, dann Grosse Kirchgasse genannt, geboren. Das Haus wurde anhand einer originalen Erbschaftsniederschrift in einem erhaltenen Stadtbuch vom 7. Oktober 1611 lokalisiert, das vom Fechner 1787 bearbeitet wurde und das auf den Forschungen in den Stadtbüchern zur Feststellung der Hausbesitzer in der ehemaligen Celna-Straße basiert.
Andreas Tscherning /1611 – 1659/
Der unter drei Bunzlauer Lehrlingen von Opitz meist bekannte Dichter der ersten schlesischen Dichterschule, der Gründer der deutschen Orientalistik. Ein überwiegender Teil seines Lebens war mit Rostock verbunden. Die Stadt, die weit von der Verwirrung des Dreißigjährigen Krieges lag, gefiel dem jungen Dichter, der schrieb: “der Fisch wird hier prima gekocht, wie in Schlesien, das Brot ist aber sehr dunkel”. An dortiger Universität studierte er Orientalistik, besonders die arabische Sprache. Hier erhielt er auch die Stelle des Professors der Dichterkunst, und anschließend des Rektors. Seine berühmteste Poemsammlung ist „Deutscher Gedichte Früling”. Er übersetzte arabische Sentenzen, führte eine reichliche Korrespondenz mit Gelehrten in ganz Deutschland, und unter seinen zahlreichen Werken ist die Poetik über die Rechtschreibung, Etymologie, Syntax und Lexik der deutschen Sprache nennenswert.
Am Markt Nr. 6 – das Geburtshaus des Dichters Andreas Tscherning (8)
 Wahrscheinlich in diesem Haus wurde am 18. November 1611 der bekannte Dichter geboren. Das repräsentative barocke Gebäude wird Tscherning-Haus genannt, wovon die Wappenkartusche über dem Portal zeugt. Das Haus wurde auf zwei verbundenen mittelalterlichen Grundstücken errichtet und zeichnet sich durch eine so genannte „Großordnung“ (Durchführung der Pilaster durch zwei Etagen) sowie durch ein ausgebautes Zierportal mit allegorischen Figuren des Gewebes und der Fruchtbarkeit aus.
Kaspar Kirchner /1592 - 1627/
Der berühmte Dichter und Denker gehörte zu den nächsten Freunden von Martin Opitz. Nach Abschluss von Schulen in Bunzlau und Breslau studierte er in Frankfurt und Strassburg. In Basel wurde er 1615 mit dem Dichterlorbeer geehrt. Nach seinem Studium reiste er viel durch Holland, England und Frankreich, wo er Gelegenheit hatte, sich mit dem berühmten D. Heinisius zu befreunden. 1618 kehrte er nach Bunzlau zurück und übernahm vom Valentin Senftleben die Pflichten des Rektors der Pfarrschule. Seit 1621 hatte er die Funktion des Kantors in seiner Haimatpfarre, im drauffolgenden Jahr wurde er Rat des Herzogs Jerzy Rudolf in Leignitz, und dann Rat des Kaisers. Kirchner schuf gemeinsam mit Caspar Cunrad ein interessantes lateinisches Werk „Te Laurca dia koronat”. Er starb im Alter von 35 Jahren in Leignitz.
Mariä-Himmelfahrt-Kirche und Saint-Nicolaus-Kirche - Südportal, Epitaph von Kaspar Kirchner (2)
 Der Dichter wurde in der Bunzlauer Kirche beerdigt und durch ein Manierepitaph mit Inschriften von Jan Pohl aus Glogau denkwürdig gemacht. Auf der ovalen Marmortafel befindet sich ein lateinischer Text in einer Umgebung eines knorpeligen Muschelornamentes.

“dem Kaspar Kirchner
dem glänzenden Mann, Dichter und weisesten Philosoph,
vor dem kein anderer so viele Künste verbreitete und keiner so viele aufgab,
dem Juwel der Stadt, in der er geboren wurde,
und wo er beerdigt werden wollte.
Nahm der Krieg Deinem Schlesien, Kaspar,
nicht alles weg?
Schau! Nach der Heimatstadt suchen wir im Vaterland.
die Musen wurden errettet aber sogar die Musen, glänzender Dichter
können nur mit Mühe nach Deinem Tode weiter leben.”
Der Textverfasser des Epitaphs ist unbekannt, es ist aber mit Sicherheit einer seinen Bunzlauer Freunde, vielleicht selbst der Martin Opitz.
Die erste Bunzlauer Schule, Koœcielna-Straße 1-2, heute Pfarrgebäude (9)
Die erste Bunzlauer Schule war bereits im Mittelalter tätig – die Chronisten erwähnen das Jahr 1392, sie existierte wahrscheinlich noch früher. Unterrichtet wurden Gramatik, Retorik und Dialektik (Trivium) sowie Geometrie, Arithmetik, Astrophysik und Musik (Quadrivium). An der Wende des 16. und 17. Jhs. lernte in der Schule eine ganze Reihe von Persönlichkeiten aus der Welt der Kultur und Wissenschaft: die Gründer der ersten schlesischen Dichterschule – Martin Opitz, Andreas Tscherning, Christoph Colerus, Andreas Scultetus, und der Breslauer Bischof Martin Gerstmann, der Astrophysiker Christoph Neubarth, der europaweit bekannte Grafiker David Tscherning, und endlich Ephraim Ignaz Naso von Löwenfels. Die berühmte Bunzlauer Schule war sogar mit dem Sitz des Apollon – Olymp - verglichen.
Queckbrunnen in der K.-Miarka / nicht erhalten / (10)
 Ein der bekanntesten dem Brunnen gewidmeten Poeme wurde von Martin Opitz während seines jugendlichen Studiums in Frankfurt geschaffen. Im Gedicht wird die Bunzlauer Quelle mit dem Najadenquelle, dem herrlichen edlen Brunnen, Ort der Freude und unerschöpften Vergnügens verglichen.
Opitz-Stein in der Jeleniogórska-Staße (11)
 Ein legendärer Felsblock, auf dem sitzend der junge Dichter seine jugendlichen Gedichte geschrieben haben sollte, befand sich auf der westlichen Seite der Jeleniogórska-Straße. Die Chroniken notierten am 13. Juni 1849, das der Block bei der Wegverbreitungsarbeiten gesprengt worden war. Die Einwohner machten den Ort denkwürdig und am 5. Februar 1852 pflanzten sie um die erretteten Felsblockfragmente drei Eichen, unter denen eine Flasche mit der Kurzbiographie des Dichters, mit einigen historischen Stadtinformationen und mit einem Opitz gewidmeten Poem vom Dr. Eschenbach begraben wurde.
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